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Walter Benjamin sah in dem Schreibmaschinen-Schnelldienst in der Böhmischen Straße 33 eine sich damals nicht mehr im Betrieb befindliche Klavierschreibmaschine. Der Vater des Herrn K. Britschka hatte eine kleine historische Sammlung geschichtlicher Meilensteine wie auch Kurioses aus der Entwicklungsgeschichte der Schreibmaschine. In seiner Sammlung befand sich auch ein nachgebautes Modell des Schreibgeräts des K.F. Freiherr Drais von Sauerbronn, der eine der ersten Schreibmaschinen baute.

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Abb. 33    
Diese Schreibmaschine von 1857,
Erfindung eines Amerikaners, gibt sich mit ihren weißen Unter- und schwarzen Obertasten deutlich als weibliches Arbeitsgerät zu erkennen.

Walter Benjamin war sehr angetan von der Sammlung des Herrn Britschka sen., besonders von der Klavierschreibmaschine. Die Ausführungen des Herrn Britschka sen. über die Geschichte der Schreibmaschine, er muß nach Aussagen seines Sohnes viel und gern über seine Sammlung geredet haben, sie war sein Stolz, inspirierten Benjamin ein Jahr später zu seinem Aufsatz "Die Transaktion des Griffels zur Maschine".

Von diesem nie veröffentlichten Aufsatz sind nur noch die Entwurfsseiten vorhanden. Der Aufsatz sollte in der Wochenzeitschrift  Die Aktion von Franz Pfemfert erscheinen, erschien aber aus bisher nicht ersichtlichem Grund nie, obwohl der Eingang des verfertigten Aufsatzes bestätigt wurde.

In diesem Aufsatz "Die Transaktion des Griffels zur Maschine" beschreibt er eindringlich und mit einer W. Benjamin eigenen Sprache und überzeugenden Kraft, daß die ersten Schreibmaschinen grobe Klötze waren und erst durch die Fingerfertigkeit der Frauen Geräte wurden und den uns bekannten Siegeszug nehmen konnten (Friedrich Kittler, Grammophon, Film, Typewriter Brinkmann & Bose, Berlin, 1986). Die Maschinen veränderten sich vom Groben zum Feinen, exemplarisch für den gesamten Zivilisationsprozeß.

Die Natürlichkeit der Fingerfertigkeit der Frauen wurde in eine sinnvolle, produktive, dem Allgemeinwohl dienende Art kanalisiert. Benjamin  zitiert kritisch in diesem Zusammenhang Freiherr v. Rast, der einen viel beachteten Artikel über die Unterschiedlichkeit von Frauen und Männer im Klavierspiel schrieb: Musik-Schönheit der Töne. Leipzig, 1919, Nr. 24. (Die Schreibmaschine als Musikinstrument)

Walter Benjamin beschreibt weiter, wie auf Grund von anatomischen Gegebenheiten Geräteentwicklungen entstehen. Exemplarisch zeichnet er eine solche Entwicklung bei der Schreibmaschine auf, wie auf Grund der sie bedienenden Fingerkuppen das Gerät sich veränderte, entwickelte und zu dem wurde, was es heute ist. Er beruft sich auf umfangreiche Studien über die Fingerkuppen von Männern später auch von Frauen. Aus diesen Studien geht hervor, daß die durchschnittliche Männerfingerkuppe von der durchschnittlichen Frauenfingerkuppe erheblich abweicht. Prof. Dr. Klumpf machte sich um diese Forschung sehr verdient .


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