Das Museum hat leider bis ca. 20 August 2008 geschlossen
In der Zwischenzeit sind dort alle meine Pappkameraden eingezogen sie wurden aufgestellt und in Szene gesetzt von Hanna Sjöberg.
Ich könnte Ihnen jetzt erzählen, dass die ganze Pappkameradenschar durch die Hintertür, durch das Museumsdepot eingedrungen ist, heimlich, zuerst klein, überschaubar, noch begrüßenswert und dann holte der eine die andere nach, die andere den anderen und dann wuchsen sie auch noch, wurden immer mehr; sind ja auch penetrant, die Damen und Herren, zum guten oder weniger guten Schluss hatte ich keinen Platz mehr im Depot und dann eroberten sie das ganze Museum und ich floh in Eile, konnte gerade noch die Türe schließen um ein Auswandern der übergriffigen Pappkamerden zu verhindern. Ich könnte mich jetzt als Weltretter aufspielen, denn ich könnte zum Beispiel sagen, wenn ich sie nicht eingesperrt hätte, würden sie die Welt überrennen. Dann würde es nicht mehr heißen: „Ein Gespenst geht durch die Welt, das Gespenst des Kommunismus…“ und so weiter, dann würde es heißen „Gespenster gehen um die Welt, Gespenster der Widersprüche und ewigen Verwirrung…“.
Aber dem ist alles gar nicht so. Weder bin ich ein Hochstapler noch ein besonders mutiger Weltenretter, bin nur ein Imperator über das kleinste Museum Berlins.
13 Pappkamerden sind nicht dabei, zwölf sind im Hiddenmuseum in Fraxern, einem wunderschönen Ort in Vorarlberg zur Sommerfrische, Marie Curie ist von einem Besuch im Allgäu nicht zurückgekommen, ist einfach in Bad Grönenbach geblieben, aber alle anderen sind bis Mitte August hier im Museum versammelt und schauen Sie an, wie Sie sie anschauen.
Warum es überhaupt diese Pappkamerden gibt? Sie wurden verfertigt für eine Ausstellung in Kröte im Rahmen der Kulturellen Landpartie im Wendland zu Pfingsten 2008. Das Motto der Ausstellung hieß: In glühender Verehrung.
In glühender Verehrung - alle meine Pappkameraden
Ein biografischer Versuch
Schnell werden sie Pappkameraden, die Heilsbringer, die Helden, die Berühmtheiten und Stars. Schnell stehen sie in Kaufhäusern und bieten ihre Bücher an und halten ihre CD in der Hand. Für eine Zeitlang sind sie so wichtig, geben mir Halt, Stütze und Identität. „Ja, so bin ich auch wie er, wie sie, so sehe ich auch die Welt, wie sie, wie er.“ Ich lese die Bücher des Idols, höre nur noch diese Musik, diskutiere mit Freunden, die auch der gleichen Meinung sind. Dann lasse ich ihn einziehen bei mir, den Star, den Helden, gebe ihm eine Heimstatt und er wird Teil von mir. Nun steht er als Angehöriger neben Onkel Fritz, Oma Hilde, Mama und Papa. Was sie unterscheidet von den angeborenen Angehörigen ist die vermeintliche Freiheit der Auswahl. Was sie gemeinsam haben: dass sie in mir sind und ich sie schlecht verleugnen kann
Nun schaute ich in mich hinein und fand sie alle beisammen stehen, sah sie sich peinlich in die Ecken drücken, manche noch immer stolz ihr Haupt erheben. Bei einigen war es komisch, sie wieder zu treffen, aber auch die Peinlichkeit, der Fehlgriff, der Versuch gehören dazu.
Was mich bei der ganzen Arbeit aber am meisten überraschte war, dass ich, bis auf eine Person, keine einzige persönlich kennen lernen möchte. Sollen sie doch bleiben, was sie sind, Pappkameraden, und sollen sie mich doch weiter belehren und mir dienen als Leinwand für die Projektionen.
Wenn die Forschungs- und Vortragsreise, die ich zur Zeit in dem Dreiländer-Eck Tirol, Südtirol und Unterengadin unternehme, unter anderem über die Reste Afrikas, die durch die Tektonik der Kontinentalplattenverschiebung dort zu finden sind, abgeschlossen ist, hat das Museum wieder geöffnet. Ich freue mich dann, so ab dem zwanzigsten August herum, herzlich auf Ihren Besuch.
Mit freundlichen Grüßen und noch einer Entschuldigung für die Geschlossenheit des Museums auf den Lippen
herzlichst Ihr
Roland Albrecht
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